Wpueg Uebernahmeangebot
Prüfung des Pflichtangebots nach WpÜG bei Kontrollerwerb (30 % Stimmrechte, § 29 II WpÜG) – Acting in concert (§ 30 Zurechnung), Veröffentlichungspflicht § 35, Angebotsunterlage § 11 mit BaFin-Prüfung 10 Werktage, Mindestpreis § 31 iVm WpÜG-AngVO, Annahmefrist § 16 (4–10 Wochen) plus Zaunkönig 2 Wochen, Verhaltenspflichten Zielgesellschaft § 33, Stellungnahme § 27, Befreiung § 37, Squeeze-out §§ 39a/b ab 95 %. Use when Bieter Kontrolle über eine börsennotierte Zielgesellschaft erwirbt oder Zielgesellschaft auf ein Angebot reagiert.
Purpose
Der Skill prüft, ob ein Übernahmevorhaben ein Pflichtangebot nach §§ 35, 29 WpÜG auslöst, dimensioniert den Mindestpreis nach § 31 WpÜG iVm WpÜG-AngVO, unterstützt bei der Angebotsunterlage und ihrer BaFin-Prüfung (§§ 11, 14) sowie bei der Stellungnahme der Zielgesellschaft (§ 27 WpÜG). Er adressiert das Verbot von Verteidigungsmaßnahmen ohne HV-Ermächtigung (§ 33), mögliche Befreiungstatbestände (§ 37 WpÜG iVm WpÜG-BefreiV) sowie den Squeeze-out (§§ 39a/39b) ab 95 % Stimmrechtsanteil.
Inputs
- Zielgesellschaft (Sitz in Inland; börsennotiert iSv § 2 III WpÜG; Handel am regulierten Markt oder organisierten Markt iSv § 2 VII WpÜG)
- Bieter (Person, Rechtsform, derzeitige Beteiligung, Konzernstruktur)
- Erwerbsvorhaben (Aktienkaufvertrag, Block Trade, Stimmbindungsvereinbarung, Ankerinvestor-Vertrag)
- Stimmrechtsanteil vor und prognostiziert nach Vollzug
- Mitwirkende Parteien (Acting-in-concert-Kandidaten: Co-Investoren, abgestimmt handelnde Aktionäre)
- Vorerwerbe in den letzten 6 Monaten (Mindestpreis-Berechnung § 4 WpÜG-AngVO)
- Zielsetzung Mandat: Bieter-Beratung / Zielgesellschaft-Beratung / Befreiungsantrag / Squeeze-out
Sub-Agent Architecture
Researcher liefert WpÜG-Normen, WpÜG-AngVO, WpÜG-BefreiV, BGH/OLG-Frankfurt-Rspr. (WpÜG-Senat), BaFin-Verwaltungspraxis. Drafter erstellt im Bieter-Mandat einen Angebotsunterlagen-Outline und ggf. Befreiungsantrag, im Ziel-Mandat eine § 27-Stellungnahme. Reviewer prüft Pflichtangebot-Schwellen, Mindestpreis-Berechnung und Frist-Kalender.
Process
1. Anwendungsbereich (§§ 1, 2 WpÜG)
WpÜG gilt für Angebote zum Erwerb von Wertpapieren einer Zielgesellschaft (Sitz im Inland; Aktien zum Handel auf einem organisierten Markt iSv § 2 VII WpÜG zugelassen — regulierter Markt im Inland oder anderer EWR-Staat). Drei Angebotstypen:
| Typ | Norm |
|---|---|
| Freiwilliges Erwerbsangebot | §§ 10 ff. WpÜG |
| Übernahmeangebot (Ziel: Kontrolle) | §§ 29 ff. WpÜG |
| Pflichtangebot (nach Kontrollerwerb) | §§ 35 ff. WpÜG |
2. Kontrolle und Pflichtangebot (§§ 29 II, 35 WpÜG)
Kontrolle = Halten von mindestens 30 % der Stimmrechte an der Zielgesellschaft (§ 29 II WpÜG).
Folge des Kontrollerwerbs:
- Veröffentlichung der Erlangung der Kontrolle innerhalb von 7 Kalendertagen (§ 35 I 1 WpÜG).
- Übermittlung der Angebotsunterlage an BaFin innerhalb von 4 Wochen nach Veröffentlichung (§ 35 II 1 WpÜG).
3. Acting in concert / Zurechnung (§ 30 WpÜG)
Bei der Stimmrechtsberechnung werden zugerechnet:
| § 30 I Nr. | Zurechnungstatbestand |
|---|---|
| 1 | Tochterunternehmen iSv § 290 HGB |
| 2 | Treuhänder |
| 3 | Verpfändete Aktien (Pfandnehmer) |
| 4 | Nießbrauch |
| 5 | Erwerbsberechtigung aus Optionen |
| 6 | Hinterlegte / verwahrte Aktien |
§ 30 II WpÜG (Acting in concert): Aktien Dritter werden zugerechnet, wenn sich der Bieter mit ihnen über die Ausübung von Stimmrechten oder in sonstiger Weise abstimmt, um eine Veränderung der unternehmerischen Ausrichtung der Zielgesellschaft zu bewirken. Einzelfälle: Stimmbindungsvereinbarungen, Konsortialverträge, Investorenvereinbarungen mit konkreten Strategie-Vorgaben. Reine Einzelfall-Absprachen (z. B. einmalige Stimmabsprache zu einem HV-Punkt) genügen nach BGH nicht (BGH, WMF, Urt. v. 18.09.2006 – II ZR 137/05 [unverifiziert]; BGH, Postbank, Urt. v. 29.07.2014 – II ZR 353/12 [unverifiziert]).
4. Angebotsunterlage und BaFin-Prüfung (§§ 11, 14 WpÜG)
- § 11 WpÜG: Pflichtangaben — Bieter, Zielgesellschaft, Gegenleistung, Mindestpreis-Berechnung, Annahmefrist, Bedingungen, Finanzierungsbestätigung (§ 13 WpÜG), Absichten des Bieters hinsichtlich Geschäftspolitik / Mitarbeiter / Sitz (§ 11 II Nr. 2 WpÜG).
- § 14 II WpÜG: BaFin prüft binnen 10 Werktagen ab Eingang; bei Beanstandungen Untersagung oder Nachreichungs-Aufforderung. Nach positiver Prüfung Veröffentlichung der Angebotsunterlage unverzüglich und Beginn der Annahmefrist.
5. Mindestpreis (§ 31 WpÜG iVm WpÜG-AngVO)
Bei Pflicht- und Übernahmeangeboten muss die Gegenleistung mindestens dem höheren der beiden folgenden Beträge entsprechen:
| § WpÜG-AngVO | Maßstab |
|---|---|
| § 4 (Vorerwerbs-Preis) | Höchster vom Bieter (oder mit ihm acting in concert) innerhalb der letzten 6 Monate vor Veröffentlichung der Angebotsentscheidung bezahlter Preis |
| § 5 (gewichteter Durchschnittskurs) | 3-Monats-Durchschnittskurs vor Veröffentlichung gem. § 35 I oder § 10 I WpÜG (bei Pflichtangebot: Bezugszeitpunkt § 35 I), gewichtet nach Umsätzen |
Mindestens 5 % der Gegenleistung sind in Geldleistung (EUR) zu erbringen, wenn Bieter in den letzten 6 Monaten Aktien gegen Geld erworben hat (§ 31 III WpÜG).
Nacherwerbe (§ 31 IV WpÜG): Erwirbt der Bieter nach Veröffentlichung innerhalb von 1 Jahr nach Ablauf der Annahmefrist Aktien zu einem höheren Preis, schuldet er den Differenzbetrag den Angebotsannehmern.
6. Annahmefrist (§ 16 WpÜG)
- § 16 I WpÜG: Annahmefrist 4 bis 10 Wochen nach Veröffentlichung der Angebotsunterlage.
- § 16 II WpÜG (Zaunkönig-Frist): Nach Bekanntgabe des Annahmestands läuft eine weitere Annahmefrist von 2 Wochen für die noch nicht annehmenden Aktionäre.
- Verlängerung bei konkurrierendem Angebot (§ 22 WpÜG) oder bei Änderung des Angebots (§ 21 III WpÜG).
7. Verhaltenspflichten Zielgesellschaft (§§ 27, 33 WpÜG)
- § 27 WpÜG (Stellungnahme): Vorstand und Aufsichtsrat der Zielgesellschaft geben unverzüglich nach Übermittlung der Angebotsunterlage eine begründete Stellungnahme zum Angebot ab. Inhalt nach § 27 I 2: Art und Höhe der Gegenleistung, voraussichtliche Folgen für Gesellschaft/Mitarbeiter/Standorte, Absichten Bieter, Eigeninteressen Vorstand/AR.
- § 33 WpÜG (Verteidigungsverbot): Nach Veröffentlichung der Angebotsentscheidung und bis zur Veröffentlichung des Ergebnisses darf der Vorstand der Zielgesellschaft keine Handlungen vornehmen, die den Angebotserfolg verhindern könnten, außer
- Maßnahmen ordnungsgemäßer Geschäftsführung - mit Zustimmung des AR oder durch HV-Ermächtigung (§ 33 II), oder - Suche nach konkurrierenden Bietern (White Knight).
8. Befreiung (§ 37 WpÜG iVm WpÜG-BefreiV)
Antrag des Bieters an die BaFin vor Kontrollerwerb oder unverzüglich danach. Tatbestände insbes. § 9 WpÜG-BefreiV: konzerninterne Umstrukturierung, Sanierungsfälle, Erwerb durch Treuhänder, Erbgang. BaFin entscheidet im Ermessen.
9. Squeeze-out und Andienungsrecht (§§ 39a, 39b WpÜG)
- § 39a WpÜG: Bieter, der nach einem Übernahmeangebot mindestens 95 % der stimmberechtigten Aktien hält, kann binnen 3 Monaten nach Ablauf der Annahmefrist beim LG Frankfurt am Main den Antrag auf Übertragung der restlichen Aktien stellen. Maßstab: Angebotspreis gilt als angemessen, wenn Bieter mindestens 90 % der Annahmequote erreicht hat (§ 39a III 3 WpÜG).
- § 39b WpÜG: Verbleibende Aktionäre können nach Maßgabe der gleichen Schwelle (95 %) Andienung verlangen.
- Alternativ: Aktienrechtlicher Squeeze-out nach §§ 327a–327f AktG (Schwelle 95 %, Barabfindung gerichtlich überprüfbar).
Sources and Citations
Verbindlich: ../../../references/zitierweise.md.
Statute
- WpÜG – §§ 10–14, 16, 21, 22, 27, 29, 30, 31, 33, 35, 37, 39a, 39b
- WpÜG-AngVO – §§ 4 (Vorerwerbs-Preis), 5 (Durchschnittskurs)
- WpÜG-BefreiV – Befreiungstatbestände
- §§ 21–23 AktG (Mitteilungspflichten – mit WpHG § 33 abgestimmt)
- §§ 327a–327f AktG (aktienrechtlicher Squeeze-out)
Kommentare
- Angerer/Geibel/Süßmann, WpÜG, 4. Aufl. 2022, §§ 29, 30, 31, 35.
- Steinmeyer, WpÜG, 4. Aufl. 2019, §§ 29 ff.
- Schwark/Zimmer, KapMRK, 5. Aufl. 2020, §§ 29 ff. WpÜG.
- Krause/Pötzsch, in: Assmann/Pötzsch/Schneider, WpÜG, 4. Aufl. 2024, § 30 Rn. 1 ff.
Rechtsprechung ([unverifiziert – prüfen in juris/BaFin-Website/BGH])
- BGH, Urt. v. 18.09.2006 – II ZR 137/05, BGHZ 169, 98 (WMF – Acting in concert)
- BGH, Urt. v. 29.07.2014 – II ZR 353/12, ZIP 2014, 1932 (Postbank-Übernahme – Mindestpreis und Zurechnung)
- OLG Frankfurt (WpÜG-Senat), diverse Beschlüsse zu Befreiungsanträgen und Mindestpreis
- BaFin-Verwaltungspraxis zu § 37 WpÜG / WpÜG-BefreiV
Output Format
GUTACHTEN — WpÜG Pflicht-/Übernahmeangebot
Zielgesellschaft: <anonymisiert> | Bieter: <anonymisiert>
I. Sachverhalt (knapp)
II. Frage(n)
III. Kurzantwort
– Pflichtangebot ausgelöst: [ja / nein / nur bei Acting in concert]
– Mindestpreis: <EUR pro Aktie>
– Empfehlung: [Angebotsunterlage / Befreiungsantrag § 37 / keine Maßnahme]
IV. Rechtliche Bewertung
1. Anwendungsbereich WpÜG (§§ 1, 2)
2. Kontrollschwelle § 29 II WpÜG
a) Direkter Stimmrechtserwerb
b) Zurechnung § 30 I WpÜG
c) Acting in concert § 30 II WpÜG (WMF/Postbank-Linie)
3. Veröffentlichungspflicht § 35 WpÜG
4. Angebotsunterlage §§ 11, 14 — BaFin-Prüfung 10 WT
5. Mindestpreis § 31 WpÜG iVm §§ 4, 5 WpÜG-AngVO
a) Vorerwerbe (6 Monate)
b) 3-Monats-Durchschnittskurs
c) Geldleistung 5 % (§ 31 III)
d) Nacherwerbe (§ 31 IV, 1 Jahr)
6. Annahmefrist § 16 (4–10 Wo + Zaunkönig 2 Wo)
7. Verhaltenspflichten Zielgesellschaft §§ 27, 33
8. Befreiungstatbestände § 37 WpÜG / WpÜG-BefreiV
9. Squeeze-out § 39a (95 %)
V. Entwurf Pflichtangebot-Skizze / § 27-Stellungnahme (optional)
VI. Fristtabelle
- Veröffentlichung Kontrollerwerb: 7 Kalendertage (§ 35 I 1)
- Übermittlung Angebotsunterlage: 4 Wochen (§ 35 II 1)
- BaFin-Prüfung: 10 Werktage (§ 14 II)
- Annahmefrist: 4–10 Wochen (§ 16 I)
- Zaunkönig-Frist: + 2 Wochen (§ 16 II)
- Nacherwerb-Differenz: 1 Jahr ab Ende Annahmefrist (§ 31 IV)
- Squeeze-out-Antrag: 3 Monate (§ 39a)
VII. Risiken / offene Punkte
🟢 / 🟡 / 🔴 <Einstufung mit Begründung>
VIII. QuellenverzeichnisRisks and Common Mistakes
- Acting-in-concert-Zurechnung unterschätzt: Stimmbindungsvereinbarung + abgestimmtes Vorgehen zur Unternehmenspolitik genügt; auch mehrfache Einzelabsprachen können nach Gesamtbild Konzert begründen (Postbank-Linie).
- Mindestpreis zu niedrig angesetzt, weil Vorerwerbe konzernverbundener Erwerber außerhalb des Bieter-Lagerblatts übersehen wurden — § 31 iVm § 30 WpÜG.
- Pflichtangebot-Umgehung ohne Befreiungsantrag (§ 37 WpÜG) — BLOCKER: Sanktion und zivilrechtliche Folgen (Stimmrechtsverlust § 59 WpÜG).
- § 33-Verstoß: Vorstand der Zielgesellschaft trifft Verteidigungsmaßnahmen (z. B. Veräußerung Crown Jewels, Kapitalerhöhung) ohne HV-Ermächtigung oder AR-Zustimmung.
- Stellungnahme § 27 ohne Eigeninteressenoffenlegung (Vorstands-/AR-Anteile, Vergütungspakete bei Change of Control) — Pflichtinhalt nach § 27 I 2 Nr. 4.
- Squeeze-out-Schwelle (95 %) verfehlt — Andienungsrecht § 39b nicht aktiviert; alternativ aktienrechtlicher Squeeze-out §§ 327a ff. AktG mit Spruchverfahren.
- Verwechslung Stimmrechtsmeldung WpHG ↔ WpÜG-Kontrolle: WpHG-Schwellen (3/5/10/15/20/25/30/50/75 %) sind reine Transparenzpflichten, WpÜG-30-%-Schwelle löst materielle Angebotspflicht aus.