Sgb Ii Leistungsanspruch
Vollprüfung des Bürgergeld-Anspruchs nach SGB II – Erwerbsfähigkeit § 8, Hilfebedürftigkeit § 9, Bedarfsgemeinschaft § 7 Abs. 3, anrechenbares Einkommen §§ 11 ff., Vermögen § 12, Regelbedarf § 20, Kosten der Unterkunft § 22, Mehrbedarfe § 21, Leistungsminderungen §§ 31 ff. nach Bürgergeld-Reform 2023. Use when Mandantin einen Erstantrag, eine Bedarfsneuberechnung oder eine Bescheidkontrolle benötigt.
Purpose
Bürgergeld nach SGB II ist die Existenzsicherung für erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Der Anspruch hängt an fünf Hauptvoraussetzungen (§ 7 Abs. 1 SGB II), wird in der Bedarfsgemeinschaft horizontal berechnet (§ 7 Abs. 3 SGB II) und durch Einkommen / Vermögen reduziert (§§ 11, 12 SGB II). Dieser Skill prüft Anspruchsdurchgang Schritt für Schritt und macht Lücken sichtbar.
Inputs
- Antragstellerin / Antragsteller: Alter, Staatsangehörigkeit, gewöhnlicher Aufenthalt
- Haushaltszusammensetzung (Partner, Kinder mit Alter, sonstige Mitbewohner)
- Erwerbsfähigkeit (gesundheitliche Einschränkungen?)
- Einkommen aller BG-Mitglieder (brutto / netto, Quelle, Frequenz)
- Vermögen (Konto, Tagesgeld, Wertpapiere, Auto, Immobilie, Versicherungen)
- Wohnsituation (Eigentum / Miete, Kaltmiete, Nebenkosten, Heizung, Wohnfläche, Ort)
- Besondere Bedarfe (Schwangerschaft, Alleinerziehung, Erwerbstätigkeit, Behinderung, kostenaufwändige Ernährung)
- Bisherige Sanktionen / Leistungsminderungen, Eingliederungsvereinbarung
Sub-Agent Architecture
Researcher liefert SGB-II-Normen, Bürgergeld-Reform-Materialien (Karenzzeit, Schonvermögen) und BSG-Rechtsprechung zu Bedarfsgemeinschaft / KdU / Einkommen. Drafter erstellt strukturierte Anspruchsprüfung samt Bedarfsberechnung. Reviewer prüft Fristen, Mitwirkungspflichten und Vollständigkeit.
Process
1. Persönliche Anspruchsvoraussetzungen (§ 7 Abs. 1 SGB II)
| Voraussetzung | Norm | Prüfpunkte |
|---|---|---|
| Vollendung 15. Lj., Altersgrenze § 7a SGB II nicht erreicht | § 7 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 | Geburtsdatum, Regelaltersgrenze § 7a |
| Erwerbsfähigkeit | § 7 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 i.V.m. § 8 SGB II | Mindestens 3 h täglich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt einsatzfähig |
| Hilfebedürftigkeit | § 7 Abs. 1 S. 1 Nr. 3 i.V.m. § 9 SGB II | Bedarf > Einkommen + zumutbar einzusetzendes Vermögen |
| Gewöhnlicher Aufenthalt in DE | § 7 Abs. 1 S. 1 Nr. 4 i.V.m. § 30 SGB I | Lebensmittelpunkt, Daueraufenthalt |
| Kein Ausschluss | § 7 Abs. 1 S. 2 ff. | Insb. § 7 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 (Unionsbürger ohne Aufenthaltsrecht zur Arbeitsuche) |
2. Bedarfsgemeinschaft (§ 7 Abs. 3 SGB II)
BG-Mitglieder (abschließende Aufzählung):
- erwerbsfähige Leistungsberechtigte
- Partner (Ehe, eingetragene Lebenspartnerschaft, Verantwortungs-/Einstehensgemeinschaft § 7 Abs. 3 Nr. 3 lit. c)
- unverheiratete Kinder unter 25 J. im Haushalt der Eltern, soweit eigene Bedarfsdeckung fehlt
- Eltern eines unverheirateten Kindes unter 15 J. (Sozialgeldfall)
Achtung Mischhaushalte: § 27 SGB XII bzw. § 19 SGB II — Trennung erforderlich, wenn ein Mitglied nicht erwerbsfähig oder vom Bürgergeld ausgeschlossen ist.
3. Bedarfsberechnung
Gesamtbedarf der BG (§ 19 SGB II):
| Bedarf | Norm | Anmerkung |
|---|---|---|
| Regelbedarf | § 20 SGB II | Regelbedarfsstufen 1–6 (RBEG); jährliche Fortschreibung. Stand prüfen. |
| Mehrbedarf | § 21 SGB II | Werdende Mütter, Alleinerziehende, Behinderung mit § 49 SGB IX-Leistung, kostenaufw. Ernährung |
| Kosten der Unterkunft & Heizung | § 22 SGB II | Tatsächliche Aufwendungen, soweit angemessen |
| Einmalige Bedarfe | § 24 SGB II | Erstausstattung Wohnung, Bekleidung, Schwangerschaft, Klassenfahrten |
Karenzzeit § 22 Abs. 1 S. 2 SGB II: Im 1. Jahr werden tatsächliche KdU anerkannt; danach Angemessenheit nach schlüssigem Konzept (BSG, Urt. v. 22.09.2009 – B 4 AS 18/09 R [unverifiziert – prüfen]).
4. Anrechenbares Einkommen (§§ 11–11b SGB II)
- Bruttoeinkommen aller BG-Mitglieder
- Abzüge nach § 11b SGB II (Steuern, SV-Beiträge, Werbungskosten-Pauschale, Versicherungspauschale 30 EUR, Riester, KFZ-Haftpflicht, Kindergeld-Sonderregel § 11 Abs. 1 S. 5)
- Erwerbstätigenfreibetrag § 11b Abs. 3 SGB II: 100 EUR Grundfreibetrag plus gestaffelter Freibetrag (20 % / 30 % / 10 %).
- Nicht anrechenbar nach § 11a SGB II: bestimmte zweckbestimmte Einnahmen, Schmerzensgeld, ausgewählte Aufwandsentschädigungen.
5. Vermögen (§ 12 SGB II, § 12a SGB II)
Karenzzeit § 12 Abs. 3 SGB II (Bürgergeld-Reform 2023):
- Im 1. Jahr ist Vermögen anrechnungsfrei bis zur "Erheblichkeitsgrenze" (40.000 EUR Hauptperson + 15.000 EUR je weiteres BG-Mitglied)
- Nach der Karenzzeit: Schonbetrag 15.000 EUR je BG-Mitglied
- Geschütztes Vermögen § 12 Abs. 1 SGB II: angemessener Hausrat, angemessenes KFZ je erwerbsfähigem BG-Mitglied (Faustregel: bis 15.000 EUR Verkehrswert
[unverifiziert – prüfen aktuelle BSG-Linie]), selbstgenutzte angemessene Immobilie, Altersvorsorge nach § 12 Abs. 1 S. 1 Nr. 3, 4 SGB II - § 12a SGB II: Inanspruchnahme vorrangiger Leistungen (Wohngeld, Kinderzuschlag, Unterhaltsvorschuss)
6. Leistungsminderung / Sanktionen (§§ 31, 31a, 31b SGB II)
Nach BVerfG, Urt. v. 05.11.2019 – 1 BvL 7/16, BVerfGE 152, 68 (Sanktionsurteil) und Bürgergeld-Reform:
- Pflichtverletzungen § 31 SGB II: Verweigerung zumutbarer Arbeit / Maßnahme, Pflichtverstoß gegen Kooperationsplan
- Leistungsminderung gestaffelt: 10 % / 20 % / 30 % (§ 31a SGB II), maximal 30 % bei mehrfacher Pflichtverletzung
- Härtefall § 31a Abs. 5 SGB II
- Meldeversäumnis § 32 SGB II: 10 % für 1 Monat
7. Rechtsfolge — konkrete Bedarfsberechnung
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| 1 | Gesamtbedarf BG (Σ Regelbedarfe + Mehrbedarfe + KdU) |
| 2 | abzgl. anrechenbares Einkommen (horizontale Verteilung § 9 Abs. 2 SGB II) |
| 3 | abzgl. einsetzbares Vermögen |
| 4 | = monatlicher Leistungsanspruch |
Bei Hilfebedürftigkeit < 0 EUR → kein Anspruch.
8. Mitwirkung und Antrag
- § 37 SGB II: Antragserfordernis, Antrag wirkt auf den 1. des Monats zurück
- § 60 SGB I: Angabe von Tatsachen; Vorlage Bescheinigungen
- Bewilligungszeitraum § 41 SGB II (regelmäßig 12 Monate)
Sources and Citations
Verbindlich: ../../references/zitierweise.md.
Statute
- § 7 SGB II, § 8, § 9, § 11, § 11a, § 11b, § 12, § 19, § 20, § 21, § 22, § 31 ff., § 37, § 41 SGB II
- § 60 SGB I; § 66 SGB I
Kommentare
- Knickrehm/Hahn, in: Kassler Kommentar Sozialversicherungsrecht, Stand 2024, § 7 SGB II Rn. … (Bedarfsgemeinschaft)
- Geiger, in: LPK-SGB II, 8. Aufl. 2024, § 22 Rn. … (Kosten der Unterkunft, Karenzzeit)
- Söhngen, in: jurisPK-SGB II, 6. Aufl. 2023, § 12 Rn. … (Vermögen nach Bürgergeld-Reform)
- Aubel, in: BeckOK SozR, § 11 SGB II Rn. … (anrechenbares Einkommen)
Rechtsprechung ([unverifiziert – prüfen in juris / SozR])
- BVerfG, Urt. v. 05.11.2019 – 1 BvL 7/16, BVerfGE 152, 68 (Sanktionsregime SGB II)
- BSG, Urt. v. 22.09.2009 – B 4 AS 18/09 R, BSGE 104, 192 (schlüssiges Konzept KdU)
- BSG, Urt. v. 11.07.2019 – B 14 AS 44/18 R (Bedarfsgemeinschaft / Einstehensgemeinschaft)
- BSG, Urt. v. 12.10.2016 – B 4 AS 60/15 R (Vermögensschutz angemessenes Kfz)
Output Format
PRÜFUNG BÜRGERGELD-ANSPRUCH — <Mandantin/Mandant, anonymisiert>
Stand: <Datum> — Risikoeinstufung: 🟢/🟡/🔴
A. Sachverhalt (anonymisiert)
<…>
B. Anspruchsprüfung § 7 SGB II
1. Vollendung 15. Lj. / Altersgrenze § 7a — ✅/⚠️/❌
2. Erwerbsfähigkeit § 8 — ✅/⚠️/❌
3. Hilfebedürftigkeit § 9 — (siehe Berechnung E)
4. Gewöhnlicher Aufenthalt — ✅/⚠️/❌
5. Kein Ausschluss § 7 Abs. 1 S. 2 — ✅/⚠️/❌
C. Bedarfsgemeinschaft § 7 Abs. 3
Mitglieder: <…>
D. Bedarf
Regelbedarf: <…> EUR
Mehrbedarf § 21: <…> EUR
KdU § 22: <…> EUR (Karenzzeit ja/nein)
Summe Bedarf: <…> EUR
E. Einkommen / Vermögen
Anrechenbares Einkommen: <…> EUR (Berechnung § 11b)
Vermögen: <…> EUR (Schonbetrag § 12 / Karenzzeit § 12 Abs. 3)
F. Leistungsanspruch
Bedarf − Einkommen − einsetzbares Vermögen = <…> EUR/Monat
⇒ Anspruch besteht / besteht nicht / besteht teilweise
G. Verfahrenshinweise
- Antrag § 37 SGB II beim örtlich zuständigen Jobcenter
- Mitwirkung § 60 SGB I
- Bewilligungszeitraum § 41 SGB II
- Ggf. vorrangige Leistungen § 12a (Wohngeld / Kinderzuschlag)
H. Risiken / offene Punkte
- <…>
I. Quellenverzeichnis
<Statute / Kommentare / Rechtsprechung mit Markern>Examples
Beispiel (gekürzter Auszug, Gutachtenstil)
A. ist 38 Jahre alt, deutsche Staatsangehörige, erwerbsfähig im Sinne des § 8 SGB II. Sie lebt mit ihrem Partner B. (1.450 EUR netto aus abhängiger Beschäftigung) sowie zwei gemeinsamen Kindern (10 und 14 Jahre) in einer 90 m²-Mietwohnung (Bruttokaltmiete 900 EUR, Heizung 110 EUR). I. Persönliche Voraussetzungen. Nach § 7 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 SGB II liegt A. zwischen Vollendung des 15. Lj. und der Altersgrenze § 7a. Erwerbsfähigkeit (§ 8 SGB II) ist gegeben — keine gesundheitlichen Einschränkungen vorgetragen. Gewöhnlicher Aufenthalt (§ 30 SGB I) im Bundesgebiet. Ausschlussgründe des § 7 Abs. 1 S. 2 SGB II sind nicht ersichtlich. II. Bedarfsgemeinschaft. B. ist Partner i.S.d. § 7 Abs. 3 Nr. 3 lit. a SGB II; die Kinder fallen unter § 7 Abs. 3 Nr. 4 SGB II. III. Bedarf. Regelbedarfsstufe 2 für A. und B. (je …) zzgl. Regelbedarf der Kinder (Stufen 4 und 5 je …); KdU nach § 22 Abs. 1 SGB II in Karenzzeit (§ 22 Abs. 1 S. 2 SGB II) anerkannt in tatsächlicher Höhe. IV. Einkommen. Aus B.s Erwerbstätigkeit ist nach § 11b SGB II der Grundfreibetrag von 100 EUR sowie der gestaffelte Freibetrag (20 % bis 1.000 EUR, 30 % bis 1.200 EUR) abzuziehen … V. Ergebnis. Es besteht voraussichtlich (Risiko 🟡 wegen offener Vermögensprüfung Tagesgeld) ein anteiliger Bürgergeld-Anspruch …
Risks and Common Mistakes
- Karenzzeit verwechselt: § 22 (Unterkunft) und § 12 Abs. 3 (Vermögen) haben jeweils eigene 1-Jahres-Karenzregeln. Prüfen, ob es sich um den ersten Bewilligungszeitraum handelt.
- Bedarfsgemeinschaft überdehnt: WGs, Wohnzweck-Gemeinschaften und Pflege-Verhältnisse sind keine BG. Indizien des § 7 Abs. 3a SGB II prüfen.
- Sanktionsregime veraltet: Pre-Bürgergeld-Reform-Quoten (60 %, 100 %) sind nicht mehr anwendbar. Maximal 30 % (§ 31a SGB II) nach BVerfG-Vorgabe.
- Kindergeld-Anrechnung: § 11 Abs. 1 S. 5 SGB II — Kindergeld ist Einkommen des Kindes, soweit dort zur Bedarfsdeckung benötigt.
- § 12a SGB II übersehen: Wohngeld, Kinderzuschlag, Unterhaltsvorschuss sind vorrangig. Jobcenter weist regelmäßig darauf hin (Erstattungspflicht).
- Mitwirkungspflicht ignoriert: § 60 SGB I — fehlende Unterlagen können zu Versagung (§ 66 SGB I) führen.