Purpose

Bürgergeld nach SGB II ist die Existenzsicherung für erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Der Anspruch hängt an fünf Hauptvoraussetzungen (§ 7 Abs. 1 SGB II), wird in der Bedarfsgemeinschaft horizontal berechnet (§ 7 Abs. 3 SGB II) und durch Einkommen / Vermögen reduziert (§§ 11, 12 SGB II). Dieser Skill prüft Anspruchsdurchgang Schritt für Schritt und macht Lücken sichtbar.

Inputs

  • Antragstellerin / Antragsteller: Alter, Staatsangehörigkeit, gewöhnlicher Aufenthalt
  • Haushaltszusammensetzung (Partner, Kinder mit Alter, sonstige Mitbewohner)
  • Erwerbsfähigkeit (gesundheitliche Einschränkungen?)
  • Einkommen aller BG-Mitglieder (brutto / netto, Quelle, Frequenz)
  • Vermögen (Konto, Tagesgeld, Wertpapiere, Auto, Immobilie, Versicherungen)
  • Wohnsituation (Eigentum / Miete, Kaltmiete, Nebenkosten, Heizung, Wohnfläche, Ort)
  • Besondere Bedarfe (Schwangerschaft, Alleinerziehung, Erwerbstätigkeit, Behinderung, kostenaufwändige Ernährung)
  • Bisherige Sanktionen / Leistungsminderungen, Eingliederungsvereinbarung

Sub-Agent Architecture

Researcher liefert SGB-II-Normen, Bürgergeld-Reform-Materialien (Karenzzeit, Schonvermögen) und BSG-Rechtsprechung zu Bedarfsgemeinschaft / KdU / Einkommen. Drafter erstellt strukturierte Anspruchsprüfung samt Bedarfsberechnung. Reviewer prüft Fristen, Mitwirkungspflichten und Vollständigkeit.

Process

1. Persönliche Anspruchsvoraussetzungen (§ 7 Abs. 1 SGB II)

VoraussetzungNormPrüfpunkte
Vollendung 15. Lj., Altersgrenze § 7a SGB II nicht erreicht§ 7 Abs. 1 S. 1 Nr. 1Geburtsdatum, Regelaltersgrenze § 7a
Erwerbsfähigkeit§ 7 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 i.V.m. § 8 SGB IIMindestens 3 h täglich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt einsatzfähig
Hilfebedürftigkeit§ 7 Abs. 1 S. 1 Nr. 3 i.V.m. § 9 SGB IIBedarf > Einkommen + zumutbar einzusetzendes Vermögen
Gewöhnlicher Aufenthalt in DE§ 7 Abs. 1 S. 1 Nr. 4 i.V.m. § 30 SGB ILebensmittelpunkt, Daueraufenthalt
Kein Ausschluss§ 7 Abs. 1 S. 2 ff.Insb. § 7 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 (Unionsbürger ohne Aufenthaltsrecht zur Arbeitsuche)

2. Bedarfsgemeinschaft (§ 7 Abs. 3 SGB II)

BG-Mitglieder (abschließende Aufzählung):

  • erwerbsfähige Leistungsberechtigte
  • Partner (Ehe, eingetragene Lebenspartnerschaft, Verantwortungs-/Einstehensgemeinschaft § 7 Abs. 3 Nr. 3 lit. c)
  • unverheiratete Kinder unter 25 J. im Haushalt der Eltern, soweit eigene Bedarfsdeckung fehlt
  • Eltern eines unverheirateten Kindes unter 15 J. (Sozialgeldfall)

Achtung Mischhaushalte: § 27 SGB XII bzw. § 19 SGB II — Trennung erforderlich, wenn ein Mitglied nicht erwerbsfähig oder vom Bürgergeld ausgeschlossen ist.

3. Bedarfsberechnung

Gesamtbedarf der BG (§ 19 SGB II):

BedarfNormAnmerkung
Regelbedarf§ 20 SGB IIRegelbedarfsstufen 1–6 (RBEG); jährliche Fortschreibung. Stand prüfen.
Mehrbedarf§ 21 SGB IIWerdende Mütter, Alleinerziehende, Behinderung mit § 49 SGB IX-Leistung, kostenaufw. Ernährung
Kosten der Unterkunft & Heizung§ 22 SGB IITatsächliche Aufwendungen, soweit angemessen
Einmalige Bedarfe§ 24 SGB IIErstausstattung Wohnung, Bekleidung, Schwangerschaft, Klassenfahrten

Karenzzeit § 22 Abs. 1 S. 2 SGB II: Im 1. Jahr werden tatsächliche KdU anerkannt; danach Angemessenheit nach schlüssigem Konzept (BSG, Urt. v. 22.09.2009 – B 4 AS 18/09 R [unverifiziert – prüfen]).

4. Anrechenbares Einkommen (§§ 11–11b SGB II)

  • Bruttoeinkommen aller BG-Mitglieder
  • Abzüge nach § 11b SGB II (Steuern, SV-Beiträge, Werbungskosten-Pauschale, Versicherungspauschale 30 EUR, Riester, KFZ-Haftpflicht, Kindergeld-Sonderregel § 11 Abs. 1 S. 5)
  • Erwerbstätigenfreibetrag § 11b Abs. 3 SGB II: 100 EUR Grundfreibetrag plus gestaffelter Freibetrag (20 % / 30 % / 10 %).
  • Nicht anrechenbar nach § 11a SGB II: bestimmte zweckbestimmte Einnahmen, Schmerzensgeld, ausgewählte Aufwandsentschädigungen.

5. Vermögen (§ 12 SGB II, § 12a SGB II)

Karenzzeit § 12 Abs. 3 SGB II (Bürgergeld-Reform 2023):

  • Im 1. Jahr ist Vermögen anrechnungsfrei bis zur "Erheblichkeitsgrenze" (40.000 EUR Hauptperson + 15.000 EUR je weiteres BG-Mitglied)
  • Nach der Karenzzeit: Schonbetrag 15.000 EUR je BG-Mitglied
  • Geschütztes Vermögen § 12 Abs. 1 SGB II: angemessener Hausrat, angemessenes KFZ je erwerbsfähigem BG-Mitglied (Faustregel: bis 15.000 EUR Verkehrswert [unverifiziert – prüfen aktuelle BSG-Linie]), selbstgenutzte angemessene Immobilie, Altersvorsorge nach § 12 Abs. 1 S. 1 Nr. 3, 4 SGB II
  • § 12a SGB II: Inanspruchnahme vorrangiger Leistungen (Wohngeld, Kinderzuschlag, Unterhaltsvorschuss)

6. Leistungsminderung / Sanktionen (§§ 31, 31a, 31b SGB II)

Nach BVerfG, Urt. v. 05.11.2019 – 1 BvL 7/16, BVerfGE 152, 68 (Sanktionsurteil) und Bürgergeld-Reform:

  • Pflichtverletzungen § 31 SGB II: Verweigerung zumutbarer Arbeit / Maßnahme, Pflichtverstoß gegen Kooperationsplan
  • Leistungsminderung gestaffelt: 10 % / 20 % / 30 % (§ 31a SGB II), maximal 30 % bei mehrfacher Pflichtverletzung
  • Härtefall § 31a Abs. 5 SGB II
  • Meldeversäumnis § 32 SGB II: 10 % für 1 Monat

7. Rechtsfolge — konkrete Bedarfsberechnung

SchrittInhalt
1Gesamtbedarf BG (Σ Regelbedarfe + Mehrbedarfe + KdU)
2abzgl. anrechenbares Einkommen (horizontale Verteilung § 9 Abs. 2 SGB II)
3abzgl. einsetzbares Vermögen
4= monatlicher Leistungsanspruch

Bei Hilfebedürftigkeit < 0 EUR → kein Anspruch.

8. Mitwirkung und Antrag

  • § 37 SGB II: Antragserfordernis, Antrag wirkt auf den 1. des Monats zurück
  • § 60 SGB I: Angabe von Tatsachen; Vorlage Bescheinigungen
  • Bewilligungszeitraum § 41 SGB II (regelmäßig 12 Monate)

Sources and Citations

Verbindlich: ../../references/zitierweise.md.

Statute

Kommentare

  • Knickrehm/Hahn, in: Kassler Kommentar Sozialversicherungsrecht, Stand 2024, § 7 SGB II Rn. … (Bedarfsgemeinschaft)
  • Geiger, in: LPK-SGB II, 8. Aufl. 2024, § 22 Rn. … (Kosten der Unterkunft, Karenzzeit)
  • Söhngen, in: jurisPK-SGB II, 6. Aufl. 2023, § 12 Rn. … (Vermögen nach Bürgergeld-Reform)
  • Aubel, in: BeckOK SozR, § 11 SGB II Rn. … (anrechenbares Einkommen)

Rechtsprechung ([unverifiziert – prüfen in juris / SozR])

  1. BVerfG, Urt. v. 05.11.2019 – 1 BvL 7/16, BVerfGE 152, 68 (Sanktionsregime SGB II)
  2. BSG, Urt. v. 22.09.2009 – B 4 AS 18/09 R, BSGE 104, 192 (schlüssiges Konzept KdU)
  3. BSG, Urt. v. 11.07.2019 – B 14 AS 44/18 R (Bedarfsgemeinschaft / Einstehensgemeinschaft)
  4. BSG, Urt. v. 12.10.2016 – B 4 AS 60/15 R (Vermögensschutz angemessenes Kfz)

Output Format

PRÜFUNG BÜRGERGELD-ANSPRUCH — <Mandantin/Mandant, anonymisiert>
Stand: <Datum> — Risikoeinstufung: 🟢/🟡/🔴

A. Sachverhalt (anonymisiert)
   <…>

B. Anspruchsprüfung § 7 SGB II
   1. Vollendung 15. Lj. / Altersgrenze § 7a — ✅/⚠️/❌
   2. Erwerbsfähigkeit § 8 — ✅/⚠️/❌
   3. Hilfebedürftigkeit § 9 — (siehe Berechnung E)
   4. Gewöhnlicher Aufenthalt — ✅/⚠️/❌
   5. Kein Ausschluss § 7 Abs. 1 S. 2 — ✅/⚠️/❌

C. Bedarfsgemeinschaft § 7 Abs. 3
   Mitglieder: <…>

D. Bedarf
   Regelbedarf:    <…> EUR
   Mehrbedarf § 21: <…> EUR
   KdU § 22:       <…> EUR  (Karenzzeit ja/nein)
   Summe Bedarf:   <…> EUR

E. Einkommen / Vermögen
   Anrechenbares Einkommen: <…> EUR (Berechnung § 11b)
   Vermögen:               <…> EUR (Schonbetrag § 12 / Karenzzeit § 12 Abs. 3)

F. Leistungsanspruch
   Bedarf − Einkommen − einsetzbares Vermögen = <…> EUR/Monat
   ⇒ Anspruch besteht / besteht nicht / besteht teilweise

G. Verfahrenshinweise
   - Antrag § 37 SGB II beim örtlich zuständigen Jobcenter
   - Mitwirkung § 60 SGB I
   - Bewilligungszeitraum § 41 SGB II
   - Ggf. vorrangige Leistungen § 12a (Wohngeld / Kinderzuschlag)

H. Risiken / offene Punkte
   - <…>

I. Quellenverzeichnis
   <Statute / Kommentare / Rechtsprechung mit Markern>

Examples

Beispiel (gekürzter Auszug, Gutachtenstil)

A. ist 38 Jahre alt, deutsche Staatsangehörige, erwerbsfähig im Sinne des § 8 SGB II. Sie lebt mit ihrem Partner B. (1.450 EUR netto aus abhängiger Beschäftigung) sowie zwei gemeinsamen Kindern (10 und 14 Jahre) in einer 90 m²-Mietwohnung (Bruttokaltmiete 900 EUR, Heizung 110 EUR). I. Persönliche Voraussetzungen. Nach § 7 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 SGB II liegt A. zwischen Vollendung des 15. Lj. und der Altersgrenze § 7a. Erwerbsfähigkeit (§ 8 SGB II) ist gegeben — keine gesundheitlichen Einschränkungen vorgetragen. Gewöhnlicher Aufenthalt (§ 30 SGB I) im Bundesgebiet. Ausschlussgründe des § 7 Abs. 1 S. 2 SGB II sind nicht ersichtlich. II. Bedarfsgemeinschaft. B. ist Partner i.S.d. § 7 Abs. 3 Nr. 3 lit. a SGB II; die Kinder fallen unter § 7 Abs. 3 Nr. 4 SGB II. III. Bedarf. Regelbedarfsstufe 2 für A. und B. (je …) zzgl. Regelbedarf der Kinder (Stufen 4 und 5 je …); KdU nach § 22 Abs. 1 SGB II in Karenzzeit (§ 22 Abs. 1 S. 2 SGB II) anerkannt in tatsächlicher Höhe. IV. Einkommen. Aus B.s Erwerbstätigkeit ist nach § 11b SGB II der Grundfreibetrag von 100 EUR sowie der gestaffelte Freibetrag (20 % bis 1.000 EUR, 30 % bis 1.200 EUR) abzuziehen … V. Ergebnis. Es besteht voraussichtlich (Risiko 🟡 wegen offener Vermögensprüfung Tagesgeld) ein anteiliger Bürgergeld-Anspruch …

Risks and Common Mistakes

  • Karenzzeit verwechselt: § 22 (Unterkunft) und § 12 Abs. 3 (Vermögen) haben jeweils eigene 1-Jahres-Karenzregeln. Prüfen, ob es sich um den ersten Bewilligungszeitraum handelt.
  • Bedarfsgemeinschaft überdehnt: WGs, Wohnzweck-Gemeinschaften und Pflege-Verhältnisse sind keine BG. Indizien des § 7 Abs. 3a SGB II prüfen.
  • Sanktionsregime veraltet: Pre-Bürgergeld-Reform-Quoten (60 %, 100 %) sind nicht mehr anwendbar. Maximal 30 % (§ 31a SGB II) nach BVerfG-Vorgabe.
  • Kindergeld-Anrechnung: § 11 Abs. 1 S. 5 SGB II — Kindergeld ist Einkommen des Kindes, soweit dort zur Bedarfsdeckung benötigt.
  • § 12a SGB II übersehen: Wohngeld, Kinderzuschlag, Unterhaltsvorschuss sind vorrangig. Jobcenter weist regelmäßig darauf hin (Erstattungspflicht).
  • Mitwirkungspflicht ignoriert: § 60 SGB I — fehlende Unterlagen können zu Versagung (§ 66 SGB I) führen.

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