Purpose

Der Skill erzeugt das Grundgerüst einer dokumentierten Risikoanalyse nach § 5 GwG, ordnet Risikofaktoren den vier Pflichtkategorien (Kunde, Produkt / Dienstleistung, Vertriebsweg, geografisches Risiko) zu und leitet daraus das Sorgfaltspflichtenniveau (§§ 10, 14, 15 GwG) ab. Er stellt sicher, dass die Analyse die Supranationale Risikoanalyse der EU-Kommission und die Nationale Risikoanalyse des BMF berücksichtigt und mindestens jährlich oder anlassbezogen aktualisiert wird.

Inputs

  • Verpflichteten-Typ nach § 2 GwG (Kreditinstitut, Finanzdienstleister, Versicherer, Vermögensverwalter, RA / StB / Notar, Güterhändler ab Schwelle, Immobilienmakler, Edelmetall- / Kunsthändler, Glücksspielanbieter, Krypto-Verwahrer)
  • Geschäftsmodell (Produktportfolio, Kundengruppen, Vertriebskanäle, geografische Reichweite)
  • bestehende Risikoanalyse (falls vorhanden, mit Datum und letzter Aktualisierung)
  • aufsichtsrechtlicher Rahmen (BaFin / Zoll / Landesaufsicht)
  • besondere Vorfälle seit letzter Analyse (Verdachtsmeldungen, Prüfungsfeststellungen, Sanktionsverfahren)

Sub-Agent Architecture

Researcher liefert § 5 GwG mit Bezug zu § 4 (risikobasierter Ansatz) und § 6 (interne Sicherungsmaßnahmen), Supranationale + Nationale Risikoanalyse, BaFin- und FIU-Auslegungshinweise sowie Kommentarstellen. Drafter erstellt das Risikoanalyse-Dokument mit Methodik, Risikofaktoren-Matrix, Risikoklassen und Ableitung des Pflichtenniveaus. Reviewer prüft Vollständigkeit der vier Kategorien, Dokumentationsdichte, Aktualisierungsturnus und Anbindung an § 6 GwG-Sicherungsmaßnahmen.

Process

1. Verpflichteten-Eigenschaft

Vor Beginn klären, welche Nummer des § 2 I GwG einschlägig ist — der Pflichtenumfang variiert (z. B. § 2 I Nr. 1: Kreditinstitute; Nr. 10: RA / StB / Notare nur bei Katalogtätigkeiten; Nr. 14: Güterhändler erst ab Bargeldschwelle iSv § 4 V GwG). Bei mehrfacher Einstufung gilt das jeweils strengere Pflichtenregime.

2. Methodik der Risikoanalyse (§ 5 GwG)

Die Risikoanalyse muss schriftlich vorliegen, nachvollziehbar sein, und die Methodenwahl dokumentieren. Üblich:

  • qualitative Bewertung pro Risikofaktor (niedrig / normal / hoch)
  • quantitative Gewichtung (z. B. Scorecard)
  • aggregierte Risikoklasse je Geschäftsbeziehung / Transaktion

Maßstab und Mindestinhalt: Herzog, GwG, X. Aufl. Jahr, § 5 Rn. 1 ff. [unverifiziert – Auflage prüfen]; BaFin, Auslegungs- und Anwendungshinweise zum GwG, Allgemeiner Teil.

3. Externe Quellen einbeziehen

  • Supranationale Risikoanalyse der EU-Kommission (Art. 6 RL (EU) 2015/849, alle zwei Jahre)
  • Nationale Risikoanalyse (NRA) des BMF (zuletzt aktualisiert; konkrete Ausgabe [unverifiziert – Stand prüfen])
  • Sektorale Risikoanalysen der zuständigen Aufsicht (BaFin für Banken / Versicherer / FDI; Landes-RAK / StBK / Notarkammer; Zoll-FIU; Glücksspielbehörde)
  • EU-Liste der Hochrisikoländer (delegierte VO der KOM nach Art. 9 RL 2015/849)
  • FATF-Empfehlungen und FATF-Länderlisten

4. Vier Risikokategorien (§ 5 I GwG)

KategorieBeispielindikatoren (nicht abschließend)
Kundenatürliche / juristische Person; Branche; PEP-Eigenschaft § 1 XII GwG; Nominee-Strukturen; bargeldintensives Geschäft; Bestandskunde vs. Neukunde
Produkt / DienstleistungProdukte mit Anonymitätspotenzial (Inhaberinstrumente, E-Geld, Krypto), grenzüberschreitende Zahlungen, Korrespondenzbank-Beziehungen, Trade Finance
VertriebswegPräsenz-Onboarding vs. Fernidentifizierung (Videoident, eID); Vermittler / Tippgeber; nicht regulierte Intermediäre
Geografisches RisikoEU-Hochrisikoländer-Liste; FATF-Listen; Offshore-Zentren; Sanktionsländer (UN, EU, OFAC); Korruptionsindex (TI CPI)

5. Risikoklassen und Pflichtenniveau

RisikoklassePflichtenniveauNorm
niedrig (mit nachgewiesener Begründung)vereinfachte Sorgfalt§ 14 GwG
normalallgemeine Sorgfalt§ 10 GwG
hoch (PEP, Hochrisikoland, komplexe Struktur, ungewöhnliches Transaktionsverhalten)verstärkte Sorgfalt§ 15 GwG

Die Zuordnung darf nicht pauschal sein — jede Klasse ist auf den konkreten Geschäftsvorgang anzuwenden.

6. Anbindung an § 6 GwG (interne Sicherungsmaßnahmen)

Die Risikoanalyse muss in konkrete Sicherungsmaßnahmen münden: Verfahren zur Kundenannahme, Monitoring, Mitarbeiterzuverlässigkeit, Schulung, GW-Beauftragter (§ 7 GwG, bei Kreditinstituten + Stellvertreter, MaRisk AT 4.4.3). Ohne diese Anbindung ist die Risikoanalyse formal unvollständig.

7. Aktualisierung

Mindestens jährlich und anlassbezogen (neue Produkte, neue Märkte, geänderte Aufsichtsleitlinien, neue NRA / SNRA, sichtbare Veränderung des Bedrohungsbildes). Aktualisierungen sind zu dokumentieren mit Datum, Anlass und Verantwortlichem.

8. Bußgeldrisiko

Pflichtverletzung iSv § 5 GwG ist Ordnungswidrigkeit nach § 56 I Nr. 6 GwG [unverifiziert – konkrete Nr. prüfen]. Bußgeldrahmen bei vorsätzlichen Verstößen bis 1 Mio. EUR bzw. 10 % des jährlichen Gesamtumsatzes (§ 56 III GwG).

Sources and Citations

Verbindlich: ../../../references/zitierweise.md.

Statute

Verwaltungsvorschriften

  • BaFin, Auslegungs- und Anwendungshinweise zum GwG, Allgemeiner Teil und Besonderer Teil Kreditinstitute
  • FIU-Auslegungs- und Anwendungshinweise (für Nichtfinanzsektor)
  • BMF, Nationale Risikoanalyse [unverifiziert – aktuellen Stand prüfen]
  • EU-Kommission, Supranational Risk Assessment, COM(2022) 554 final [unverifiziert – aktuelle Ausgabe prüfen]
  • MaRisk (AT 4.4.3 Compliance-Funktion, BT 5 GW-Prävention)

Kommentare

  • Herzog, GwG, X. Aufl. Jahr, § 5 Rn. 1 ff. [unverifiziert – Auflage prüfen]
  • Bülte, GwG, § 5 Rn. 1 ff. [unverifiziert]
  • Kreitmair, GwG, § 5 Rn. 1 ff. [unverifiziert]
  • Quedenfeld, Handbuch Bekämpfung Geldwäsche und Wirtschaftskriminalität, X. Aufl., Kap. zu Risikomanagement [unverifiziert]

Rechtsprechung ([unverifiziert – prüfen in juris])

  • Bußgeld-Rspr. zu § 56 GwG (Aufsichts- und Verwaltungsgerichte, vereinzelt KG / OLG) — konkrete Aktenzeichen sind im Modellwissen nicht zuverlässig erinnerbar; in juris mit Suchstring „GwG Risikoanalyse Bußgeld" recherchieren.

Output Format

RISIKOANALYSE — § 5 GwG
Verpflichteter: <Firma / Kanzlei>, § 2 I Nr. <…> GwG
Stand: <Datum>   Verantwortlich: <Name GW-Beauftragter>
Letzte Aktualisierung: <Datum>   Nächste Wiedervorlage: <Datum + 12 Monate>

I.   Methodik
     - Bewertungslogik (qualitativ / quantitativ / Scorecard)
     - Berücksichtigte externe Quellen (SNRA, NRA, BaFin-AuA, FATF)

II.  Risikofaktoren
     1. Kunde
        - <Faktor> → Bewertung (niedrig / normal / hoch) → Begründung
     2. Produkt / Dienstleistung
     3. Vertriebsweg
     4. Geografisches Risiko

III. Risikoklassen und Pflichtenniveau
     - niedrig → § 14 GwG (vereinfachte Sorgfalt)
     - normal → § 10 GwG
     - hoch   → § 15 GwG (verstärkte Sorgfalt)

IV.  Interne Sicherungsmaßnahmen § 6 GwG
     - Kundenannahme, Monitoring, Mitarbeiterschulung, GW-Beauftragter

V.   Aktualisierungsregime
     - jährlich + anlassbezogen

VI.  Risiken / offene Punkte
     🟢 / 🟡 / 🔴 <Einstufung mit Begründung>

VII. Quellenverzeichnis

Beispiel (Auszug, Gutachtenstil)

III. Risikoklassen und Pflichtenniveau Die Geschäftsbeziehung zu einer in Deutschland ansässigen mittelständischen GmbH ohne PEP-Bezug und ohne Hochrisikoland-Bezug fällt nach den unter II. zusammengetragenen Indikatoren in die Risikoklasse „normal". Anwendbar ist daher § 10 I GwG (allgemeine Sorgfaltspflichten: Identifizierung des Vertragspartners, Abklärung des wirtschaftlich Berechtigten gem. §§ 10 I Nr. 2, 11 V GwG, Klärung von Zweck und angestrebter Art der Geschäftsbeziehung, kontinuierliche Überwachung). Eine vereinfachte Sorgfalt nach § 14 GwG kommt nicht in Betracht, weil eine nachgewiesen niedrige Risikolage iSd § 14 I GwG nicht belegt ist; das pauschale Argument „inländischer Mittelstand" trägt nicht (vgl. Herzog, GwG, § 14 Rn. 12 ff. [unverifiziert]).

Risks and Common Mistakes

  • Risikoanalyse als „Schubladendokument" ohne Anbindung an konkrete Sicherungsmaßnahmen (§ 6 GwG) — formaler Verstoß, Bußgeldrisiko nach § 56 GwG.
  • Pauschale Einstufung „niedriges Risiko" ohne Begründung der vereinfachten Sorgfalt § 14 GwG — Aufsicht und FIU-AuA verlangen Einzelfallbegründung.
  • PEP-Status unbeachtet — § 1 XII GwG erfasst auch ausländische und nationale Amtsträger sowie Angehörige; ohne strukturierte PEP-Abfrage ist § 15 III GwG verletzt.
  • Keine Aktualisierung seit > 12 Monaten oder trotz neuer NRA / EU-Hochrisikoliste — verletzt § 5 II GwG.
  • GW-Beauftragter ohne Stellvertreter bei Verpflichteten mit entsprechender Pflicht (§ 7 GwG iVm Branchenspezifik) — MaRisk-Verstoß bei Kreditinstituten.
  • AMLR / AMLA-Übergang ignoriert — ab Anwendungsbeginn [unverifiziert – 2027] greifen vollharmonisierte Pflichten; Risikoanalyse sollte schon jetzt darauf vorbereitet sein.

Related Skills in Geldwäsche / AML-KYC

View SKILL.md on GitHub