Gwg Risikoanalyse
Aufbau und Aktualisierung der institutsspezifischen Risikoanalyse nach § 5 GwG – Risikokategorien (Kunde / Produkt / Vertriebsweg / Geografie), Berücksichtigung Supranationale und Nationale Risk Assessment, Risikoklassen und Ableitung des Pflichtenniveaus §§ 10–17 GwG. Use when ein Verpflichteter iSv § 2 GwG die Risikoanalyse erstmals erstellen, jährlich fortschreiben oder anlassbezogen anpassen muss.
Purpose
Der Skill erzeugt das Grundgerüst einer dokumentierten Risikoanalyse nach § 5 GwG, ordnet Risikofaktoren den vier Pflichtkategorien (Kunde, Produkt / Dienstleistung, Vertriebsweg, geografisches Risiko) zu und leitet daraus das Sorgfaltspflichtenniveau (§§ 10, 14, 15 GwG) ab. Er stellt sicher, dass die Analyse die Supranationale Risikoanalyse der EU-Kommission und die Nationale Risikoanalyse des BMF berücksichtigt und mindestens jährlich oder anlassbezogen aktualisiert wird.
Inputs
- Verpflichteten-Typ nach § 2 GwG (Kreditinstitut, Finanzdienstleister, Versicherer, Vermögensverwalter, RA / StB / Notar, Güterhändler ab Schwelle, Immobilienmakler, Edelmetall- / Kunsthändler, Glücksspielanbieter, Krypto-Verwahrer)
- Geschäftsmodell (Produktportfolio, Kundengruppen, Vertriebskanäle, geografische Reichweite)
- bestehende Risikoanalyse (falls vorhanden, mit Datum und letzter Aktualisierung)
- aufsichtsrechtlicher Rahmen (BaFin / Zoll / Landesaufsicht)
- besondere Vorfälle seit letzter Analyse (Verdachtsmeldungen, Prüfungsfeststellungen, Sanktionsverfahren)
Sub-Agent Architecture
Researcher liefert § 5 GwG mit Bezug zu § 4 (risikobasierter Ansatz) und § 6 (interne Sicherungsmaßnahmen), Supranationale + Nationale Risikoanalyse, BaFin- und FIU-Auslegungshinweise sowie Kommentarstellen. Drafter erstellt das Risikoanalyse-Dokument mit Methodik, Risikofaktoren-Matrix, Risikoklassen und Ableitung des Pflichtenniveaus. Reviewer prüft Vollständigkeit der vier Kategorien, Dokumentationsdichte, Aktualisierungsturnus und Anbindung an § 6 GwG-Sicherungsmaßnahmen.
Process
1. Verpflichteten-Eigenschaft
Vor Beginn klären, welche Nummer des § 2 I GwG einschlägig ist — der Pflichtenumfang variiert (z. B. § 2 I Nr. 1: Kreditinstitute; Nr. 10: RA / StB / Notare nur bei Katalogtätigkeiten; Nr. 14: Güterhändler erst ab Bargeldschwelle iSv § 4 V GwG). Bei mehrfacher Einstufung gilt das jeweils strengere Pflichtenregime.
2. Methodik der Risikoanalyse (§ 5 GwG)
Die Risikoanalyse muss schriftlich vorliegen, nachvollziehbar sein, und die Methodenwahl dokumentieren. Üblich:
- qualitative Bewertung pro Risikofaktor (niedrig / normal / hoch)
- quantitative Gewichtung (z. B. Scorecard)
- aggregierte Risikoklasse je Geschäftsbeziehung / Transaktion
Maßstab und Mindestinhalt: Herzog, GwG, X. Aufl. Jahr, § 5 Rn. 1 ff. [unverifiziert – Auflage prüfen]; BaFin, Auslegungs- und Anwendungshinweise zum GwG, Allgemeiner Teil.
3. Externe Quellen einbeziehen
- Supranationale Risikoanalyse der EU-Kommission (Art. 6 RL (EU) 2015/849, alle zwei Jahre)
- Nationale Risikoanalyse (NRA) des BMF (zuletzt aktualisiert; konkrete Ausgabe
[unverifiziert – Stand prüfen]) - Sektorale Risikoanalysen der zuständigen Aufsicht (BaFin für Banken / Versicherer / FDI; Landes-RAK / StBK / Notarkammer; Zoll-FIU; Glücksspielbehörde)
- EU-Liste der Hochrisikoländer (delegierte VO der KOM nach Art. 9 RL 2015/849)
- FATF-Empfehlungen und FATF-Länderlisten
4. Vier Risikokategorien (§ 5 I GwG)
| Kategorie | Beispielindikatoren (nicht abschließend) |
|---|---|
| Kunde | natürliche / juristische Person; Branche; PEP-Eigenschaft § 1 XII GwG; Nominee-Strukturen; bargeldintensives Geschäft; Bestandskunde vs. Neukunde |
| Produkt / Dienstleistung | Produkte mit Anonymitätspotenzial (Inhaberinstrumente, E-Geld, Krypto), grenzüberschreitende Zahlungen, Korrespondenzbank-Beziehungen, Trade Finance |
| Vertriebsweg | Präsenz-Onboarding vs. Fernidentifizierung (Videoident, eID); Vermittler / Tippgeber; nicht regulierte Intermediäre |
| Geografisches Risiko | EU-Hochrisikoländer-Liste; FATF-Listen; Offshore-Zentren; Sanktionsländer (UN, EU, OFAC); Korruptionsindex (TI CPI) |
5. Risikoklassen und Pflichtenniveau
| Risikoklasse | Pflichtenniveau | Norm |
|---|---|---|
| niedrig (mit nachgewiesener Begründung) | vereinfachte Sorgfalt | § 14 GwG |
| normal | allgemeine Sorgfalt | § 10 GwG |
| hoch (PEP, Hochrisikoland, komplexe Struktur, ungewöhnliches Transaktionsverhalten) | verstärkte Sorgfalt | § 15 GwG |
Die Zuordnung darf nicht pauschal sein — jede Klasse ist auf den konkreten Geschäftsvorgang anzuwenden.
6. Anbindung an § 6 GwG (interne Sicherungsmaßnahmen)
Die Risikoanalyse muss in konkrete Sicherungsmaßnahmen münden: Verfahren zur Kundenannahme, Monitoring, Mitarbeiterzuverlässigkeit, Schulung, GW-Beauftragter (§ 7 GwG, bei Kreditinstituten + Stellvertreter, MaRisk AT 4.4.3). Ohne diese Anbindung ist die Risikoanalyse formal unvollständig.
7. Aktualisierung
Mindestens jährlich und anlassbezogen (neue Produkte, neue Märkte, geänderte Aufsichtsleitlinien, neue NRA / SNRA, sichtbare Veränderung des Bedrohungsbildes). Aktualisierungen sind zu dokumentieren mit Datum, Anlass und Verantwortlichem.
8. Bußgeldrisiko
Pflichtverletzung iSv § 5 GwG ist Ordnungswidrigkeit nach § 56 I Nr. 6 GwG [unverifiziert – konkrete Nr. prüfen]. Bußgeldrahmen bei vorsätzlichen Verstößen bis 1 Mio. EUR bzw. 10 % des jährlichen Gesamtumsatzes (§ 56 III GwG).
Sources and Citations
Verbindlich: ../../../references/zitierweise.md.
Statute
- § 4 GwG (risikobasierter Ansatz)
- § 5 GwG (Risikoanalyse)
- § 6 GwG (interne Sicherungsmaßnahmen)
- § 7 GwG (Geldwäschebeauftragter)
- §§ 10, 14, 15 GwG (Pflichtenniveau)
- § 56 GwG (Bußgelder)
- Art. 6, 7, 8 RL (EU) 2015/849 (Risikobewertungspflichten)
- VO (EU) 2024/1624 (AMLR, Art. 9–11 Risikobewertung)
[unverifiziert – Anwendungsbeginn 2027]
Verwaltungsvorschriften
- BaFin, Auslegungs- und Anwendungshinweise zum GwG, Allgemeiner Teil und Besonderer Teil Kreditinstitute
- FIU-Auslegungs- und Anwendungshinweise (für Nichtfinanzsektor)
- BMF, Nationale Risikoanalyse
[unverifiziert – aktuellen Stand prüfen] - EU-Kommission, Supranational Risk Assessment, COM(2022) 554 final
[unverifiziert – aktuelle Ausgabe prüfen] - MaRisk (AT 4.4.3 Compliance-Funktion, BT 5 GW-Prävention)
Kommentare
- Herzog, GwG, X. Aufl. Jahr, § 5 Rn. 1 ff.
[unverifiziert – Auflage prüfen] - Bülte, GwG, § 5 Rn. 1 ff.
[unverifiziert] - Kreitmair, GwG, § 5 Rn. 1 ff.
[unverifiziert] - Quedenfeld, Handbuch Bekämpfung Geldwäsche und Wirtschaftskriminalität, X. Aufl., Kap. zu Risikomanagement
[unverifiziert]
Rechtsprechung ([unverifiziert – prüfen in juris])
- Bußgeld-Rspr. zu § 56 GwG (Aufsichts- und Verwaltungsgerichte, vereinzelt KG / OLG) — konkrete Aktenzeichen sind im Modellwissen nicht zuverlässig erinnerbar; in juris mit Suchstring „GwG Risikoanalyse Bußgeld" recherchieren.
Output Format
RISIKOANALYSE — § 5 GwG
Verpflichteter: <Firma / Kanzlei>, § 2 I Nr. <…> GwG
Stand: <Datum> Verantwortlich: <Name GW-Beauftragter>
Letzte Aktualisierung: <Datum> Nächste Wiedervorlage: <Datum + 12 Monate>
I. Methodik
- Bewertungslogik (qualitativ / quantitativ / Scorecard)
- Berücksichtigte externe Quellen (SNRA, NRA, BaFin-AuA, FATF)
II. Risikofaktoren
1. Kunde
- <Faktor> → Bewertung (niedrig / normal / hoch) → Begründung
2. Produkt / Dienstleistung
3. Vertriebsweg
4. Geografisches Risiko
III. Risikoklassen und Pflichtenniveau
- niedrig → § 14 GwG (vereinfachte Sorgfalt)
- normal → § 10 GwG
- hoch → § 15 GwG (verstärkte Sorgfalt)
IV. Interne Sicherungsmaßnahmen § 6 GwG
- Kundenannahme, Monitoring, Mitarbeiterschulung, GW-Beauftragter
V. Aktualisierungsregime
- jährlich + anlassbezogen
VI. Risiken / offene Punkte
🟢 / 🟡 / 🔴 <Einstufung mit Begründung>
VII. QuellenverzeichnisBeispiel (Auszug, Gutachtenstil)
III. Risikoklassen und Pflichtenniveau Die Geschäftsbeziehung zu einer in Deutschland ansässigen mittelständischen GmbH ohne PEP-Bezug und ohne Hochrisikoland-Bezug fällt nach den unter II. zusammengetragenen Indikatoren in die Risikoklasse „normal". Anwendbar ist daher § 10 I GwG (allgemeine Sorgfaltspflichten: Identifizierung des Vertragspartners, Abklärung des wirtschaftlich Berechtigten gem. §§ 10 I Nr. 2, 11 V GwG, Klärung von Zweck und angestrebter Art der Geschäftsbeziehung, kontinuierliche Überwachung). Eine vereinfachte Sorgfalt nach § 14 GwG kommt nicht in Betracht, weil eine nachgewiesen niedrige Risikolage iSd § 14 I GwG nicht belegt ist; das pauschale Argument „inländischer Mittelstand" trägt nicht (vgl. Herzog, GwG, § 14 Rn. 12 ff. [unverifiziert]).Risks and Common Mistakes
- Risikoanalyse als „Schubladendokument" ohne Anbindung an konkrete Sicherungsmaßnahmen (§ 6 GwG) — formaler Verstoß, Bußgeldrisiko nach § 56 GwG.
- Pauschale Einstufung „niedriges Risiko" ohne Begründung der vereinfachten Sorgfalt § 14 GwG — Aufsicht und FIU-AuA verlangen Einzelfallbegründung.
- PEP-Status unbeachtet — § 1 XII GwG erfasst auch ausländische und nationale Amtsträger sowie Angehörige; ohne strukturierte PEP-Abfrage ist § 15 III GwG verletzt.
- Keine Aktualisierung seit > 12 Monaten oder trotz neuer NRA / EU-Hochrisikoliste — verletzt § 5 II GwG.
- GW-Beauftragter ohne Stellvertreter bei Verpflichteten mit entsprechender Pflicht (§ 7 GwG iVm Branchenspezifik) — MaRisk-Verstoß bei Kreditinstituten.
- AMLR / AMLA-Übergang ignoriert — ab Anwendungsbeginn
[unverifiziert – 2027]greifen vollharmonisierte Pflichten; Risikoanalyse sollte schon jetzt darauf vorbereitet sein.