Kyc Identifikationspflicht
Identifizierung des Vertragspartners (§§ 10, 11 GwG) und des wirtschaftlich Berechtigten (§§ 3 ff. GwG) mit Transparenzregister-Abgleich (§§ 18–26 GwG); Trigger-Schwellen, vereinfachte (§ 14) und verstärkte Sorgfaltspflichten (§ 15), Aufzeichnung § 8 GwG. Use when ein Verpflichteter eine Geschäftsbeziehung aufnimmt, eine Schwellen-Transaktion durchführt oder bei Verdacht KYC nachholt.
Purpose
Der Skill strukturiert die KYC-Prüfung („Know your customer") nach §§ 10 ff. GwG: Identifizierung des Vertragspartners, Feststellung des wirtschaftlich Berechtigten, Transparenzregister-Abfrage, Klärung von Zweck und Art der Geschäftsbeziehung sowie kontinuierliche Überwachung. Er trennt zwischen allgemeiner, vereinfachter und verstärkter Sorgfalt und stellt die Aufzeichnungspflicht § 8 GwG (5 Jahre) sicher.
Inputs
- Verpflichteten-Typ nach § 2 GwG
- Geschäftsvorgang (Begründung Geschäftsbeziehung / Einzeltransaktion / Verdachtsfall)
- Vertragspartner (natürliche Person / juristische Person / Personengesellschaft / Trust / Stiftung)
- Beteiligungs- und Kontrollstruktur, soweit bekannt
- bei Bargeld / Kunst / Edelmetallen: Transaktionsvolumen (Schwellenwerte)
- Risikoklasse aus der Risikoanalyse (§ 5 GwG, siehe Skill
gwg-risikoanalyse) - besondere Indikatoren: PEP-Status, Hochrisikoland-Bezug, ungewöhnliches Konstrukt
Sub-Agent Architecture
Researcher liefert §§ 10–17 GwG, §§ 3 ff. GwG, Transparenzregister-Normen §§ 18–26 GwG, BaFin- und FIU-AuA sowie Kommentarstellen (Herzog, Bülte). Drafter erstellt das KYC-Memo mit Identifizierungs-Checkliste, WB-Analyse und Empfehlung zum Pflichtenniveau. Reviewer prüft Vollständigkeit der Identifizierungsdaten, korrekte Anwendung von § 14 / § 15, Transparenzregister-Abgleich, Aufzeichnungspflicht und Hinweis auf Folgepflichten (insb. § 43 GwG).
Process
1. Trigger der Identifizierungspflicht (§ 10 III GwG)
Die Pflicht greift bei:
- Begründung einer Geschäftsbeziehung (§ 10 III Nr. 1 GwG) — unabhängig vom Volumen
- Einzeltransaktion außerhalb einer Geschäftsbeziehung:
- Bargeld ≥ 15.000 EUR (oder mehrere kleinere, die augenscheinlich verbunden sind) (§ 10 III Nr. 2 GwG) - Güterhändler: Bargeld ≥ 10.000 EUR (§ 4 V GwG); Edelmetallhändler: 2.000 EUR (§ 4 V GwG) [unverifiziert – aktuellen Schwellenwert prüfen] - Kunsthandel / Kunstvermittler: 10.000 EUR (auch unbar bei bestimmten Konstellationen) [unverifiziert]
- Verdacht auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung (§ 10 III Nr. 3 GwG) — unabhängig von jedem Schwellenwert und unabhängig vom Pflichtenniveau
- Zweifel an Richtigkeit oder Vollständigkeit zuvor erhobener Daten (§ 10 III Nr. 4 GwG)
2. Identifizierung des Vertragspartners (§ 11 GwG)
Natürliche Person (§ 11 IV Nr. 1 GwG): Name (Vor- und Nachname), Geburtsort, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit, Anschrift. Beleg: gültiges Ausweisdokument iSv § 12 I 1 Nr. 1 GwG (Personalausweis, Reisepass, Pass-Ersatz). Erfassung Dokumenten-Nr., ausstellende Behörde, Gültigkeit.
Juristische Person / Personengesellschaft (§ 11 IV Nr. 2 GwG): Firma, Name oder Bezeichnung, Rechtsform, Registernummer (sofern vorhanden), Anschrift Sitz / Hauptniederlassung, Mitglieder Vertretungsorgan / gesetzliche Vertreter. Beleg: Auszug aus Handels- / Genossenschafts- / Vereins- / Partnerschafts- / Stiftungsregister oder gleichwertiges amtliches Register.
Identifizierungsverfahren (§ 12 I GwG): Vorlage Original / qualifizierte elektronische Signatur / Videoidentifizierung (BaFin-Rundschreiben 3/2017 zur Videoident [unverifiziert]) / eID-Funktion / Notar-/Anwalts-Vermittlung (§ 12 I 2 GwG).
3. Wirtschaftlich Berechtigter (§ 3 GwG)
Tatsächlicher WB (§ 3 II GwG, juristische Person ohne börsenrechtliche Ausnahme):
- jede natürliche Person, die unmittelbar oder mittelbar
- mehr als 25 % der Kapitalanteile hält, oder - mehr als 25 % der Stimmrechte kontrolliert, oder - auf vergleichbare Weise Kontrolle ausübt
Fiktiver WB (§ 3 II 5 GwG): Lässt sich nach Ausschöpfung aller Möglichkeiten kein tatsächlicher WB ermitteln, gilt der gesetzliche Vertreter, geschäftsführende Gesellschafter oder Partner als WB. Die Fiktion ist zu begründen und zu dokumentieren — sie ist kein Default.
Bei Trusts / Treuhand / nicht rechtsfähigen Stiftungen (§ 3 III GwG): Treugeber, Treuhänder, Protektor, Begünstigte, sowie sonstige natürliche Personen mit beherrschendem Einfluss.
4. Transparenzregister-Abgleich (§§ 18–26 GwG)
Seit Umstellung auf Vollregister (Transparenzregister- und Finanzinformationsgesetz, in Kraft seit 01.08.2021) [unverifiziert – Datum prüfen] müssen Verpflichtete bei juristischen Personen / Personengesellschaften / Trusts / Stiftungen das Transparenzregister abfragen und mit den selbst erhobenen WB-Daten abgleichen (§ 11 V GwG iVm § 23a GwG [unverifiziert – §-Verweis prüfen]).
Unstimmigkeitsmeldung (§ 23a GwG): Weichen die Registerangaben von den selbst erhobenen Daten ab, ist eine Unstimmigkeit an das registerführende BVA zu melden — dies ist keine Verdachtsmeldung nach § 43 GwG und unterliegt nicht dem Tippoff-Verbot des § 47 GwG (str.; herrschend in BaFin-AuA).
5. Pflichtenniveau (Risikoanalyse-abhängig)
| Pflichtenniveau | Trigger | Maßnahmen |
|---|---|---|
| vereinfachte Sorgfalt § 14 GwG | nachgewiesen niedriges Risiko (z. B. börsennotierte EWR-AG, inländische Behörden) | reduzierter Identifizierungsumfang, lockere Aktualisierung |
| allgemeine Sorgfalt § 10 GwG | Standardfall | Identifizierung, WB, Zweck, kontinuierliches Monitoring |
| verstärkte Sorgfalt § 15 GwG | PEP § 1 XII; Hochrisikodrittstaat-Bezug § 15 III Nr. 2; komplexe / unübliche Struktur § 15 III Nr. 3; Korrespondenzbankbeziehung außerhalb EWR | Geschäftsleitung-Zustimmung, Herkunft Vermögen / Mittel, verstärkte laufende Überwachung |
6. Klärung von Zweck und Art (§ 10 I Nr. 2 GwG)
Plausibilität des Geschäftszwecks dokumentieren. Bei Diskrepanz zwischen erklärtem Zweck und beobachtetem Transaktionsverhalten: Eskalation an GW-Beauftragten, ggf. § 43 GwG-Prüfung.
7. Aufzeichnung und Aufbewahrung (§ 8 GwG)
5 Jahre ab Ende der Geschäftsbeziehung oder ab Abwicklung der Einzeltransaktion. Aufzeichnungspflicht umfasst Identifizierungsdaten, Kopien der Belege, Risikoeinstufung, Monitoring-Erkenntnisse.
8. Folgepflicht: Verdachtsmeldung
KYC-Erkenntnisse können die Meldepflicht nach § 43 GwG auslösen (Skill verdachtsmeldung-fiu). Bei Verdacht: Identifizierung trotzdem durchführen (§ 10 IX GwG schließt Abbruch nur eng aus), aber kein Tippoff und Stillhaltepflicht beachten.
Sources and Citations
Verbindlich: ../../../references/zitierweise.md.
Statute
- § 1 XII GwG (PEP-Definition)
- § 3 GwG (wirtschaftlich Berechtigter)
- § 8 GwG (Aufzeichnungs- / Aufbewahrungspflicht)
- § 10 GwG (allgemeine Sorgfaltspflichten, Trigger)
- § 11 GwG (Identifizierungspflicht)
- § 12 GwG (Identifizierungsverfahren)
- § 14 GwG (vereinfachte Sorgfalt)
- § 15 GwG (verstärkte Sorgfalt; PEP, Hochrisikodrittstaat)
- §§ 18–26 GwG (Transparenzregister)
- § 56 GwG (Bußgelder)
- Art. 13, 14, 18, 20 RL (EU) 2015/849
- VO (EU) 2024/1624 (AMLR, Kapitel zu CDD)
[unverifiziert – Anwendungsbeginn 2027]
Verwaltungsvorschriften
- BaFin, AuA zum GwG, Allgemeiner Teil + Besonderer Teil
- BaFin-Rundschreiben zur Videoidentifizierung
[unverifiziert – aktuelles Rundschreiben prüfen] - FIU-AuA für Nichtfinanzsektor
Kommentare
- Herzog, GwG, X. Aufl. Jahr, §§ 10, 11, 3 (mit Kommentierung WB)
[unverifiziert – Auflage prüfen] - Bülte, GwG, §§ 10 ff.
[unverifiziert] - Kreitmair, GwG, §§ 3, 11
[unverifiziert]
Rechtsprechung ([unverifiziert – prüfen in juris])
- KG / OLG-Rspr. zu Bußgeldverfahren wegen fehlerhafter KYC
[unverifiziert] - BGH zur zivilrechtlichen Haftung von Kreditinstituten bei KYC-Versagen (Bereich Lastschriftrückgabe / Kontoeröffnung)
[unverifiziert]
Output Format
KYC-MEMO — §§ 10, 11, 3 GwG
Verpflichteter: <Firma>, § 2 I Nr. <…> GwG
Vorgang: <Geschäftsbeziehung / Einzeltransaktion / Anlass>
Stand: <Datum>
I. Trigger der Identifizierungspflicht
- <§ 10 III Nr. 1/2/3/4 GwG, Begründung>
II. Vertragspartner-Identifizierung § 11 GwG
- Personendaten / Firma / Register
- Belegart und -nummer
- Identifizierungsverfahren § 12 GwG
III. Wirtschaftlich Berechtigter §§ 3 ff. GwG
- Beteiligungs- / Kontrollkette
- tatsächlicher WB oder fiktiver WB (Begründung)
- Transparenzregister-Abgleich (Treffer / Unstimmigkeit?)
IV. Pflichtenniveau
- § 14 / § 10 / § 15 GwG (Begründung)
- PEP-Status, Hochrisikodrittstaat, komplexe Struktur
V. Zweck und Art der Geschäftsbeziehung
- Plausibilität, beobachtetes Transaktionsverhalten
VI. Aufzeichnung § 8 GwG
- Aufbewahrung 5 Jahre, Speicherort, Verantwortlicher
VII. Folgepflichten
- Monitoring-Trigger
- Hinweis auf § 43 GwG (Verdachtsmeldung) — falls einschlägig
VIII. Risiken / offene Punkte
🟢 / 🟡 / 🔴
IX. QuellenverzeichnisBeispiel (Auszug, Gutachtenstil)
III. Wirtschaftlich Berechtigter Der Vertragspartner ist die A-GmbH (HRB 12345 AG München). Anteilseigner ist nach Gesellschafterliste die B-Holding S.à r.l. (Luxemburg) mit 100 %; deren Anteile werden zu 60 % von einer zypriotischen C-Holding Ltd. und zu 40 % von einer natürlichen Person Y gehalten. C-Holding wird ihrerseits durch einen Jersey-Trust gehalten, dessen Begünstigte nach Trust Deed eine natürliche Person X ist. Damit hält X mittelbar 60 % × 100 % = 60 % der A-GmbH und ist wirtschaftlich Berechtigter iSv § 3 II 1 Nr. 1 GwG; ebenso Y mit 40 %. Beide sind nach §§ 11 V, 23a GwG ins Transparenzregister einzutragen bzw. dort abzugleichen. Die Konstruktion über Jersey-Trust ist ein Risikofaktor iSv § 15 III Nr. 3 GwG (komplexe Struktur), sodass verstärkte Sorgfalt anzuwenden ist (vgl. Herzog, GwG, § 15 Rn. 20 ff. [unverifiziert]).Risks and Common Mistakes
- Identifizierung über Kopie ohne Originalvorlage / Videoident / eID außerhalb der gesetzlich zugelassenen Verfahren — unwirksam, Bußgeld § 56 GwG.
- Fiktiver WB als Default ohne dokumentierten Ermittlungsversuch — § 3 II 5 GwG verlangt vorrangige Ermittlung des tatsächlichen WB.
- Transparenzregister-Abgleich unterlassen oder Unstimmigkeit nicht gemeldet — Verletzung § 23a GwG
[unverifiziert – konkrete Norm prüfen]. - PEP-Status unbeachtet — § 1 XII GwG erfasst auch Familienangehörige und nahestehende Personen; verstärkte Sorgfalt nach § 15 III Nr. 1 GwG obligatorisch.
- Hochrisikodrittstaaten-Liste nicht abgefragt (delegierte VO der KOM) — Risiko § 15 III Nr. 2 GwG übersehen.
- Aufzeichnung < 5 Jahre / Speicherort nicht zugriffsbereit für Aufsicht — Verstoß § 8 GwG.
- Verdachtsindikator übersehen und KYC-Prüfung als Routine behandelt — Folge: unterlassene § 43-Meldung, ggf. § 261 StGB.